Sicherheitsfunktionen mit pneumatischen Aktoren unterscheiden sich grundlegend von Sicherheitsfunktionen mit elektrischen Aktoren. Während bei einem elektrischen Antrieb der sichere Zustand in fast allen Fällen durch das sichere Stillsetzen durch Energiefreischalten erreicht wird, gibt es in der Pneumatik eine Reihe von unterschiedlichen Sicherheitsfunktionen, die je nach Beschaffenheit des Systems und gewünschter Reaktion richtig ausgewählt, umgesetzt und berechnet werden müssen.
In der Welt der elektrischen Antriebstechnik in der EN 61800-5-2 (Elektrische Leistungsantriebssysteme mit einstellbarer Drehzahl - Teil 5-2: Anforderungen an die Sicherheit - Funktionale Sicherheit) definiert, lauten die bekanntesten sogenannten Teil-Sicherheitsfunktionen Safe Torque Off, Safe Stop Kategorie 1 und Safe Stop Kategorie 2. In der Pneumatik-Norm EN ISO 4414 (Fluidtechnik - Allgemeine Regeln und sicherheitstechnische Anforderungen an Pneumatikanlagen und deren Bauteile) sucht man nach der Definition von Teil-Sicherheitsfunktionen allerdings vergeblich. Diese sind in der Pneumatik nicht genormt, sondern werden im VDMA-Einheitsblatt 24584 „Sicherheitsfunktionen geregelter und nicht-geregelter (fluid-)mechanischer Systeme“ von Juni 2022 definiert.
Je nach Ergebnis der Risikobeurteilung können sich folgende Aspekte voneinander unterschieden:
- Was ist der sichere Zustand? Soll ein pneumatischer Aktor im sicheren Zustand entlüftet, sicher geklemmt, einseitig oder zweiseitig druckbeaufschlagt sein?
- Welche äußeren Kräfte wirken auf den Aktor? Ist eine Belastung durch Schwerkraft (gehobene Lasten!) oder extern wirkende Federkräfte gegeben?
- Welcher Performance Level für welche Funktion in welcher Bewegungsrichtung? Je nach Anwendungsfall können ein, zwei oder alle drei Parameter der PL-Definition (S, F und P) in den unterschiedlichen Bewegungsrichtungen eines Aktors unterschiedlich sein.