Maschinenrichtlinie (MRL) / Maschinenverordnung (MVO)

Symbolbild zum Zusammenspiel von Normen

Offizieller Titel der Maschinenrichtlinie: Richtlinie 2006/42/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Mai 2006 über Maschinen und zur Änderung der Richtlinie 95/16/EG (Neufassung). Sie gilt seit dem 29.12.2009. Unabhängig von Herstellungsort und -datum unterliegen alle Maschinen, die erstmals ab dem 01.01.1995 im europäischen Wirtschaftsraum eingesetzt werden, der EU-Maschinenrichtlinie und müssen somit CE-zertifiziert sein.

Offizieller Titel der Maschinenverordnung: Verordnung (EU) 2023/1230 des Europäischen Parlaments und des Rates über Maschinen.

 

Die Maschinenrichtlinie ist eine der wichtigsten Rechtsvorschriften zur Harmonisierung der grundlegenden Sicherheitsanforderungen für Maschinen in der Europäischen Union. Sie beschreibt einheitliche Anforderungen an die Sicherheit und Gesundheit bei der Interaktion von Mensch und Maschine. Die Richtlinie fördert den freien Warenverkehr von Maschinen im Binnenmarkt und garantiert ein hohes Schutzniveau für Arbeitnehmer und Bürger der EU.

Um das Sicherheitsniveau weiter zu verbessern, Security Aspekte zu berücksichtigen und neuen technologischen Entwicklungen Rechnung zu tragen, hat die EU-Kommission die Maschinenrichtlinie zur Maschinenverordnung (MVO) weiterentwickelt.

Die EU-Maschinenverordnung wurde 2023 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Verpflichtend angewendet werden muss sie aber erst nach einer Übergangszeit.

Maschinenrichtlinie wird zur Maschinenverordnung

Mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union 2023 ist verbindlich, dass die neue EU-Maschinenverordnung die Maschinenrichtlinie als wichtigste Rechtsvorschrift für Maschinensicherheit ablösen wird. Neue Ansätze und Themen, wie z.B. die Digitalisierung, erforderten eine Weiterentwicklung der Maschinenrichtlinie. Die neue Maschinenverordnung wird nach einer Übergangsfrist für alle Unternehmen im Europäischen Wirtschaftsraum gelten, die Maschinen konstruieren, bauen und vertreiben. Auch Maschinen, die in den europäischen Rechtsraum importiert werden, müssen die Anforderungen erfüllen.

Die EU-Maschinenverordnung tritt 20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt in allen Mitgliedsländern der EU in Kraft. Sie als Maschinenhersteller haben dann 42 Monate Zeit, die neuen Anforderungen an Maschinen und Anlagen zu erfüllen. Somit wird die MVO im Jahr 2027 verbindlich in Kraft treten.

Änderungen der neuen EU-Maschinenverordnung

Die Maschinenverordnung gibt Maschinenherstellern konkretere Vorgaben, wie mit wesentlichen Änderungen an einer Maschine sowie prüfpflichtigen Maschinen umzugehen ist. Darüber hinaus trägt sie der wachsenden Bedeutung von Digitalisierung und Industrial Security Rechnung: Sie beschreibt Anforderungen an die Cybersecurity von Produkten sowie an digitale Betriebsanleitungen. Die MVO erfasst wie gehabt Maschinen und neu „zugehörige Produkte“ (related products).

  • Prüfpflichtige Maschinen: Der Katalog der prüfpflichtigen Maschinen, der bisher im Anhang IV der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG war und zum Anhang I „umgezogen“ ist, enthält in Abschnitt A eine Liste von Hoch-Risiko-Maschinen, für die eine verpflichtende Prüfung und Zertifizierung durch Dritte vorgesehen ist. Sechs Maschinenkategorien werden in Zukunft prüfpflichtig sein, ohne dass die Anwendung einer harmonisierten Norm von der Prüfpflicht entbindet. Das ist den aktuellen Entwicklungen zur Künstlichen Intelligenz geschuldet. So können Maschinenhersteller für die sechs gelistete Produktgruppen nicht mehr wie bisher eine Konformität in Verbindung mit einer harmonisierten Norm selbst erklären, sondern müssen dafür eine benannte Akkreditierungsstelle anfragen.
  • Wesentliche Veränderung: Die Verordnung wurde um Begriffsbestimmung zur wesentlichen Veränderung von Maschinen und die Rechtsfolgen einer solchen Veränderung erweitert. Ein Konformitätsbewertungsverfahren ist für die Sicherheit von Maschinen erforderlich, wenn eine Maschine tiefgreifend verändert wird oder wenn Änderungen durchgeführt werden, die die Übereinstimmung der Maschine mit den gesetzlichen Bestimmungen zur CE-Kennzeichnung betreffen. Dabei gilt, dass Anwender als Folge einer wesentlichen Veränderung zum Hersteller werden – mit allen Pflichten.
  • Sicherheitsbauteile: Die Begriffsbestimmung der Sicherheitsbauteile erfasst jetzt neben Bauteilen physischer Art oder digitaler und/oder gemischter Art auch die Software.
  • Das Aufkommen neuer digitaler Technologien wie künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und die Robotik bringen neue Herausforderungen für die Produktsicherheit mit sich. Die Verordnung deckt die Sicherheitsrisiken ab, die von den neuen digitalen Technologien ausgehen.
  • In einem neuen Abschnitt „Protection against corruption“ stellt die Maschinenverordnung jetzt auch Anforderungen an die Cybersecurity von Maschinen. Bedrohungen der Cybersecurity dürfen die Sicherheitsfunktionen der Maschine nicht beeinträchtigen. Hersteller werden ihre bestehenden Sicherheitskonzepte hinsichtlich dessen überarbeiten müssen!
  • Digitale Betriebsanleitung: Die Lieferung der Betriebsanleitung in digitaler Form wird zugelassen. Auf Wunsch des Kunden muss der Hersteller die Betriebsanleitung in Papierform zur Verfügung stellen. Auch die EU-Konformitätserklärung darf in digitaler Form erfolgen, unvollständige Maschinen dürfen mit digitaler Montageanleitung, wie auch mit digitaler Einbauerklärung geliefert werden.

Harmonisierte Normen

Wie mit den bisher unter der Maschinenrichtlinie harmonisierten Normen verfahren wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach momentanem Stand müssen diese neu gelistet werden. Bei allein über 750 direkt gelisteten Normen bedeutet das einen erheblichen Aufwand von mehreren Jahren. Mit der festgelegten Übergangszeit von 42 Monaten, haben die Normengremien jetzt viel Arbeit vor sich. Spannend bleibt also, ob bis zum Inkrafttreten der EU-Maschinenverordnung – voraussichtlich im Jahr 2027 - die relevanten Normen als harmonisierte Normen zur Verfügung stehen. Pilz bleibt für Sie am Ball!

Weitere Informationen:

Die neue Maschinenverordnung - EU-Website

 

Symbolbild Pilz Podcast

Pilz Podcast "For your Safety"

Die Maschinenrichtlinie und die neue EU-Maschinenverordnung kommt auch in unserem Pilz Podcast "For your Safety" zur Sprache – hören Sie rein!

Pilz Podcast "For your Safety"

Leitfaden zur Maschinenverordnung

Erfahren Sie was sich ändert, was wichtig und was zu tun ist. Alles in einem Dokument!

Der Leitfaden zur Maschinenverordnung liegt vor einem grauen Hintergrund

Was ist eine Maschine?

Im Sinne der Richtlinie gilt als Maschine u. a. eine Gesamtheit von miteinander verbundenen Teilen oder Vorrichtungen, von denen mindestens eines beweglich ist und die für eine bestimmte Anwendung zusammengefügt sind.

Ebenfalls zu Maschinen im Sinne der Maschinenrichtlinie zählen:

  • Gesamtheit von Maschinen oder komplexe Anlagen. Zu komplexen Anlagen gehören ebenfalls Fertigungsstraßen, aus mehreren Maschinen bestehende Spezialmaschinen, verkettete Maschinen
  • Sicherheitsbauteile: Welche Bauteile als Sicherheitsbauteile zu klassifizieren sind, wird dabei sehr kontrovers diskutiert. Ein einheitlicher Trend ist dabei noch nicht erkennbar
  • Auswechselbare Ausrüstungen, mit denen die Grundfunktionen einer Maschine geändert werden können
  • Unvollständige Maschinen

Ergänzend zu obenstehenden Maschinen existiert ein Ausnahmekatalog über Maschinen, die per Definition unter den Anwendungsbereich fallen würden, für die aber in der Regel andere Rechtsvorschriften gelten.

Leitfaden zur Anwendung der Maschinenrichtlinie

Leitfaden für die Anwendung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

Zur Auslegung des Richtlinientextes dient der praxisorientierte "Leitfaden zur Anwendung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG". Dieser ist als Version 2.2 erschienen und kann auf der Website der Europäischen Kommission heruntergeladen werden. Zur bisherigen Version 2.1 unterscheidet sich die aktuelle Version vorwiegend durch Ergänzungen und Klarstellungen insbesondere zu den Begriffen „Sicherheitsbauteile“ und „unvollständige Maschinen“, sowie einige Bearbeitungen, um die Kohärenz mit dem Leitfaden für die Niederspannungsrichtlinie zu gewährleisten.

Im Abschnitt „Mode selection“ (§204) wurde ein kurzer Abschnitt über die sicherheitstechnischen Anforderungen eingefügt. Zusätzlich gibt zwei neu hinzugefügte Absätze über die Maschinensteuerungen (§417) und Sicherheitsbauteile, die als Logikbausteine betrachtet werden (§418).

Vortrag: Was bringt die Zukunft für die Sicherheit von Maschinen?

Vortrag Pilz Automation Days: Was bringt die Zukunft für die Sicherheit von Maschinen?

Maschinensicherheit ist die Grundlage für eine effektive und unfallfreie Kooperation von Mensch und Maschine. Neue Ansätze und Themen, wie z.B. die Digitalisierung, erfordern eine Weiterentwicklung der heute gültigen Richtlinien und Normen. In seiner Keynote ordnet Klaus Stark ein, wohin die Reise gehen könnte.

Harmonisierte Normen nach Maschinenrichtlinie auf einen Blick

Poster zu Schutzmaßnahmen für Maschinen und Anlagen

Behalten Sie den Durchblick im Normen-Dschungel! Das Poster zu den „Schutzmaßnahmen für Maschinen und Anlagen – wichtige harmonisierte Normen nach Maschinenrichtlinie“ stellt die A-/B- und C-Normen übersichtlich dar. Gleichzeitig erhalten Sie auch eine komprimierte Übersicht über unsere sicherheitsrelevanten Produkte.

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