USA
Die Rechtsgrundlagen in den USA sind als ein Mix aus Produktstandards, Fire Codes (NFPA), elektrischen Codes (NEC) sowie nationalen Gesetzen zu sehen. Die Einhaltung und Durchsetzung dieser Codes werden hoheitlich durch die lokalen Regierungsstellen überwacht.
In den USA kennt man primär drei Arten von Standards: OSHA (Occupational Safety & Health Organisation), UL (Underwriters Laboratories) und ANSI (American National Standard Institute).
Die OSHA-Standards, deren Einhaltung vorgeschrieben ist, werden von staatlicher (föderaler) Seite herausgegeben. In einigen US Bundesstaaten gibt es bundesstaatliche Organisationen, welche die Aufgaben der föderalen OSHA wahrnehmen und gleichwertige oder schärfere Anforderungen durchsetzen.
Die OSHA-Standards lassen sich daher bis zu einem gewissen Grad mit den europäischen Richtlinien vergleichen. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin,dass die OSHA weniger abstrakte Anforderungen als technische Beschaffenheitsanforderungen beschreibt. Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt darin, dass die Zielgruppen der EU-Richtlinien in erster Linie Hersteller und Betreiber von Maschinen sind, während sich die OSHA Standards an den Arbeitgeber (oder allgemeiner: den Käufer oder Eigentümer) der Maschinen richtet. In den USA ist es damit die Verantwortlichkeit des Käufers, die Einhaltung der OSHA Standards einzufordern.
Im Falle eines Unfalls ist es üblich, dass OSHA Inspektoren involviert werden. Falls dann festgestellt wird, dass "freiwillige" ANSI-Standards nicht berücksichtigt wurden, können OSHA-Bußgelder höher ausfallen. Auch im Falle von zivilrechtlichen Verfahren können die Strafen höher ausfallen.
Die Entwicklung von ANSI-Standards erfolgt dagegen durch private Organisationen, die formal den Status von "freiwilligen Industriestandards" (voluntary consensus standards) haben. Häufig finden sich ANSI-Normen jedoch als Vertragsbestandteil wieder. Viele OSHA-Standards basieren außerdem auf ANSI-Standards. In vielen Fällen basiert dabei der verpflichtende OSHA-Standard auf einer älteren Version eines freiwilligen ANSI-Standards. Die Anwendung beider Standards ist in diesen Fällen anzuraten.
Die UL veröffentlichen Sicherheitsstandards. Diese beschäftigen sich hauptsächlich mit elektrischen Gefahren. Einige davon wurden von den UL bei der ANSI eingebracht und sind nun auch ANSI-Standards.
Die OSHA fordert, dass fast alle elektrischen Geräte und Kabel an Arbeitsplätzen die entsprechenden UL-Standards erfüllen und dass diese durch ein national gelistetes Labor (NRTL - Nationally Recognized Testing Laboratory) gelisted bzw. geprüft werden. Die OSHA veröffentlicht hierzu Listen von NRTLs. Auf den Listen finden sich beispielsweise CSA, Intertek (ETL), TÜV Rheinland, TÜV Sud und UL. Nicht gelistete Geräte können üblicherweise durch dieselben NRTLs eine Art Feldprüfung erhalten. Es ist zu beachten, dass UL Standards häufig sehr unterschiedlich oder gar widersprüchlich zu IEC Standards sind.
Der National Electrical Code (NEC) wird von der NFPA (National Fire Protection Association) als ANSI/NFPA 70 herausgegeben. Die Übereinstimmung mit NEC wird durch die Inspektoren der lokalen Behörden (typischerweise der Stadt), insbesondere für neue Gebäude und größere Bauten geprüft.
Die NFPA veröffentlicht außerdem den ANSI/NFPA 79 Standard (Electrical Standard for Industrial Machinery). Dieser entspricht der EN/IEC 60204-1 ist aber damit nicht identisch. Die Einhaltung der ANSI/NFPA 79 ist grundsätzlich freiwillig, wird aber von einigen Bundesstaaten und lokalen Behörden eingefordert.